Vintage Berlin - Weblog

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Die letzten Blog-Beiträge:


Filmtipp für den 17./18. Dezember 2011: Film Socialisme.

12.12.2011 20:31 von tyyny

Er hat gar kein so grosses Aufsehen erregt - der "neue" Film der Nouvelle Vague-Legende Jean-Luc Godard, der bereits im Mai 2010 in Cannes seine Premiere feierte. Das Berliner Lichtblick Kino zeigt ihn nun fuer zwei Tage: am 17. und 18. Dezember, jeweils nachmittags um 15:30 Uhr.
Der zweistuendige Film besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil "Dinge wie" werden verschiedenste Gespraeche in allen moeglichen Sprachen zwischen den Passagieren eines Kreuzfahrtschiffes gezeigt, die fast alle Urlaub auf ebendiesem Schiff machen. Der zweite Teil handelt von "unserem Europa", in dem eine Schwester und ihr juengerer Bruder ihren Eltern befehlen, vor das Gericht ihrer Kindheit zu treten. Sie wollen Erklaerungen fuer Freiheit, Bruederlichkeit und Gleichheit. Im dritten Teil geht es um "unsere Menschlichkeiten": er fuehrt uns an historische, mythenhafte Orte wie Odessa, Griechenland, Barcelona, Neapel, Aegypten und Palaestina. Das Kreuzfahrtschiff heisst "Costa Concordia" und segelt durch das Mittelmeer, wo der Film auch die meiste Zeit ueber gedreht wurde. Obwohl Godard bei seinen anderen Filmen immer selbst gedreht und editiert hatte (seit den 70er Jahren!), ist dies nun der erste Film, der in digitalem Format erscheint.
Film Socialisme wird als eine Collage verstanden, die das kritische Weltbild des mittlerweile 80-jaehrigen Regisseurs widerspiegelt. Als Schauspieler engagierte er u.a. Alain Badiou, Patti Smith, Christian Sinninger und Catherine Tanvier.

 

 

Adresse:

Lichtblick-Kino
Kastanienallee 77
10435 Berlin-Prenzlauer Berg
http://www.lichtblick-kino.org/lichtblick.php


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Veranstaltungstipp für Sonntag, 11.12.2011: Preisverleihung

08.12.2011 18:51 von tyyny

Es ist wieder soweit: am Sonntag (11.12.2011) wird der "Ich sehe was, was Du nicht siehst!"-Preis verliehen, welcher bereits seit 2007 an verschiedene Künstler/Institutionen vergeben wird. Grund genug, noch einmal aufzurollen, worum es sich dabei handelt.
Françoise Cactus, Autorin, Künstlerin und Sängerin von Stereo Total, häkelte im Jahr 2004 für die Ausstellung "When Love turns to Poison" eine 18-jährige, 172 cm große Puppe (=Wollita), die die Degradierung von Frauen zu Sexobjekten und sexuelle Gewalt thematisieren sollte - denn darum ging es in der Ausstellung im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien. Doch BILD und B.Z. wollten alles falsch verstehen und erklärten Wollita kurzerhand zum Pornostar, der Pädophile zum Kindesmissbrauch ermutigen würde, weshalb die B.Z. den Kunstraum Kreuzberg aufforderte, die Ausstellung sofort zu schließen. Eine Farce! Der Berliner Künstler Wolfgang Müller ("Die Tödliche Doris") rief daraufhin eine Unterschriftenaktion ins Leben, die den Springer-Verlag aufforderte, eine "großzügige Spende" zu leisten, die Opfern von sexueller Gewalt und Sexismus zukommen sollte - und den B.Z.-Kulturpreis 2005 an Wollita zu verleihen. Sie hat ihn weder damals bekommen noch später. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie selbst einen Preis ausschrieb, der "Ich sehe was, was Du nicht siehst!" heißt. Wollita hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Preis an diejenigen zu verleihen, die "das Denken geöffnet haben und Räume schaffen für neue Qualitäten in Kunst, Kultur, ja sogar im Leben" und: "Devianz und nicht-marktkonforme Produktion" seien ebenfalls Kriterien, die berücksichtigt werden müssten. Dieses Mal bekommt verdienterweise die Künstlerin, Musikerin (u.a. F.S.K.) und Professorin Michaela Mélian den Preis - so haben es Françoise Cactus, Martin Schmitz und Wolfgang Müller entschieden. Cactus und Müller sind im Übrigen auch für die Biographie "Wollita - Vom Wollknäuel zum Superstar" verantwortlich, welche (mit CD und Musik von Stereo Total) der Kunstraum Kreuzberg/Bethanien herausgegeben hat. Außerdem haben sie die Ereignisse rundum Wollita in Buchform im Martin Schmitz Verlag veröffentlicht.
Die mittlerweile 25-jährige Wollita ist also jetzt schon Kult!
Und man kann natürlich auch dabei sein, wenn Wollita den "Ich sehe was, was Du nicht siehst!"-Preis 2011 höchstpersönlich verleiht: am Sonntag (11.12. 2011) um 20:00 Uhr im Südblock in der Admiralstr. 1-2 in Berlin.

 


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Chicks on Speed im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien

21.10.2011 16:50 von tyyny
Noch bis zum 23. Oktober ist die Ausstellung "Cultural Workshop now!" der jetzt schon legendären Chicks on Speed ge&öuml;ffnet und ich habe mich im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien einmal umgeschaut.
Das Gebäude ist ein ehemaliges Diakonissen-Krankenhaus, das 1847 erbaut wurde und viel Raum für zeitgen&öuml;ssische Kunstausstellungen bietet, die einen internationalen/lokalen Bezug haben und Diversität berücksichtigen. Zentrale Bestandteile des Kunstraums Kreuzberg/Bethanien sind die Integrationsarbeit und die kulturellen Bildungsprojekte.
Erstmals präsentieren die Chicks on Speed ihre umfassenden Kunstprojekte, die bis in die 90er Jahre zurückreichen. Es geht um Performances, Musik, Mode, Technologie und natürlich Kunst. Empfangen wird man von einem beeindruckenden Hologramm, dass die COS strippend zeigt. Dahinter befinden sich diverse Räume mit Installationen, Videos, Postern, &öuml;l auf Leinwand... Dabei gibt es wiederkehrende Motive: High Heels, Nacktheit, Bodypainting und ganz viel Neon. Das Bunte dominiert eindeutig die Ausstellung, zusammen mit den vielen Videoinstallationen, die die Chicks on Speed bei ihren Performances auf der Bühne und in anderen Locations wie einer schottischen Burg zeigen. Doch es sind nicht nur die Chicks on Speed, die ihre Kunst zur Schau stellen. Auch langjährige Wegbegleiterinnen wie Anat Ben-David und Deborah Schamoni haben ihren Raum bekommen.
Wer interessiert ist, kann heute noch schnell hingehen, oder morgen, oder am Sonntag zur Finissage, die von 19-22 Uhr stattfindet. Dort wird es dann ein Filmscreening der COS geben, in der die Performances im Studio 1 vom 14.9.-17.9. dokumentiert wurden.

http://www.chicksonspeed.com/

Location:
Kunstraum Kreuzberg/Bethanien
Mariannenplatz 2
10997 Berlin
U-Bahn Kottbusser Tor

&öuml;ffnungszeiten:
Täglich: 12 - 19 Uhr
Führung auf Anfrage

Eintritt frei
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Keine Z E I T

09.10.2011 21:22 von tyyny
Wie geplant, bin ich am Freitag zur Ausstellungseröffnung von "Keine Z E I T. ZeitphĂ€nomene. PhĂ€nomene der Zeit.", die in der G.A.S. Station stattfand, gegangen. Eigentlich war ich dort wegen Marion Habringer, die u.a. zusammen mit Elisa Asenbaum eine beeinduckende prozessorientierte Installation unter 340 Einsendungen beigesteuert hatte, denn als ich sie vor wenigen Wochen kennenlernt hatte, wurde ich schon neugierig gemacht, was das wohl fĂŒr Maschinchen sein wĂŒrden.
Das Konzept zur Umsetzung lautet so:

"[...]Wir können uns auch nicht an alles, was wir gesehen, gehört, geschmeckt, gerochen, gespĂŒrt haben, erinnern. Komplexe Selektionsprozesse lassen nur Teile des Erlebbaren ins Bewusstsein treten und davon bleibt bei Weitem nicht alles in unserem GedĂ€chtnis. Viele physiologische und psychologische Faktoren sind hierbei am Werk. So ist es nicht immer möglich sich an die Dinge, die man möchte, zu erinnern und anderseits kann man manche Dinge nicht vergessen, an die man nicht denken mag. Auch die Zeitchronologie, was davor und was danach geschehen ist, verschwimmt je nach Blickpunkt und fĂ€rbt sich subjektiv.
Die prozessorientierte Installation von M.H. und E.A. "Wo ist die Zeit geblieben?" thematisiert diese Prozesse. Ein kleines Wunderwerk von mechanisch- und computergesteuerten Elementen lĂ€sst per Zufall abgespeicherte Gedanken laut werden, die reflektiv um das Thema des Erinnerns und Vergessens kreisen. Ein GedĂ€chtniswerk, das sich selbst regelt, erinnert und vergisst und die Zeitchronologie des Gedankengedichts fortwĂ€hrend zeitlich neu im Jetzt ordnet. Der Text ist so konzipiert, dass die VerĂ€nderung der Satzreihung zu anderen Inhalten und Überlegungen fĂŒhrt. Doch mit der Zeit treten Blockierungen im Regelwerk auf, die LĂŒcken entstehen lassen und einen fortschreitenden Vergessensprozess einleiten. SĂ€tze werden "vergessen", Zersetzung macht sich an die SĂ€tze, die sich in BruchstĂŒcke auflösen und der Zusammenhang verliert sich mit der Zeit.
Das GedĂ€chtniswerk zeichnet einen mehrphasigen Vergessens.- und Erinnerungsprozess ab, der sich ĂŒber einen mehrstĂŒndigen Zeitraum erstreckt. Erst ĂŒber eine lĂ€ngere Beobachtung kann man den langsamen unmerklichen VerĂ€nderungsablauf wahrnehmen.
Die Installation definiert sich immer wieder neu als selbst organisiertes Gebilde mit unkontrollierten und unvorhersehbaren Eigenheiten."

Dazu gleich mehr. Ich schaute mir nĂ€mlich zuerst die anderen Objekte an, die sich im Erdgeschoss befanden und ging erst anschließend ins Untergeschoss. Oben gab es viel Unterschiedliches zu sehen: Videoprojekte, Installationen (mitunter eine tonnenschwere Glocke in einem mit Wasser gefĂŒllten, ĂŒberdimensionalen PlexiglasbehĂ€lter), Fotos auf Leinwand, Zeichnungen etc. Besondere Aufmerksamkeit widmete ich dem 60er-Jahre-Telefon mit integriertem MP3-Player und der schlĂŒpfrigen Schneiderpuppe...
Mit einiger VerspÀtung und einem köstlichen Gille-Keks wurde dann Marions und Elisas Installation "Wo ist die Zeit geblieben?" vorgestellt - also angeschaltet. Es ist ein bisschen kompliziert zu erklÀren, wie das alles funktioniert, aber es wurden 36 SÀtze verfasst, die sich ums Erinnern und Vergessen drehen, und diese SÀtze wurden dann in einer visuellen und akustischen Art und Weise umgesetzt. Herausgekommen sind in monatelanger Arbeit neun Holzplattformen mit komplexer Elektonik: je vier Stahlkugeln auf jeder Plattform fallen in zufÀlliger Reihenfolge herunter und lösen dadurch einen Impuls aus, der uns einen der 36 SÀtze per Laptop hören lÀsst. Deshalb sind es auch 36 Kugeln. Die Maschinen steuern einen Monolog und setzen die SÀtze immer neu zusammen. Irgendwann lösen sich die SÀtze auf, weil die Satzstruktur zerstört wird, d.h., die Maschinen "vergessen". Man hört nur ein Wirrwarr aus Wörtern. Weil man sich das alles aber nicht so gut vorstellen kann und ich es nach wie vor sehr abstrakt finde, habe ich ein Video gedreht, bei dem man ganz gut sieht, wie die Maschinen arbeiten.

Wer neugierig geworden ist, kann sich die gesamte Ausstellung noch bis zum 4. Februar 2012 anschauen.
Hier sind noch ein paar kleine Bilder.

Und hier ist die Adresse:

Keine Z E I T
ZeitphÀnomene. PhÀnomene der Zeit.
Vernissage: 7. Oktober 2011 - ab 19 Uhr
Ausstellung: 8. Oktober 2011 bis 4. Februar 2012
G.A.S - station
Tempelherrenstraße 22
10961 Berlin/Kreuzberg.

Und hier die Adresse zu Marions Homepage:
http://www.marionhabringer.com/

Folgende Menschen waren noch an dem Projekt beteiligt:
Idee und Gesamtkonzeption: M.H. & E.A.
Text und Audiokonzeption: Elisa Asenbaum
Mechanische Konzeption und Umsetzung: Marion Habringer
Elektromechanische Umsetzung: Holger Zapf
Computertechnische Umsetzung: Harald Hofer
Stimme: Silvia Plank
Tontaufnahme: Gilbert Handler

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