Vintage Berlin - Weblog
Willkommen im Vintage Berlin- Weblog. Wir informieren Euch hier regelmäßig über Neuigkeiten, anstehende Veranstaltungen oder interessante Angebote aus unserem Sortiment.
Die letzten Blog-Beiträge:
Das Ende der Sechziger Jahre - das Ende der Flower Power-Zeit.
In den letzten Wochen habe ich vieles über die Sechziger Jahre berichtet - es war ja auch eine Zeit, in der unheimlich viel passierte. Heute schließe ich diese Dekade mit der Hippiemode ab.
Sie beginnt schon im Sommer 1967, als der elegante Stil der Mods durch Bärte, lange Haare und Kaftans ersetzt wurde. Überall Flower Power: psychedelische Muster und Paisley-Allovers, deren Einflüsse bis heute präsent sind.
Die Hippies waren Teil einer Jugendbewegung, die aus jungen Erwachsenen und Teenagern zwischen 15 und 25 bestand. Sie kritisierten die Werte der Mittelklasse, waren gegen den Vietnam Krieg und für die sexuelle Befreiung. Sie gründeten Kommunen und ließen neue religiöse Einflüsse zu. Sie wollten Frieden, Liebe, Freiheit - und sich nicht von Politik und gesellschaftlichen Orthoxien unterdrücken lassen.
Die Flower Power-Kinder steckten sich Blumen ins Haar, ihre Eltern ließen sich piercen, tätowieren oder "bodypainten" und sowieso hatten die Geschlechter einen ähnlichen Look durch die Länge der Haare und die Unisex-Kleidung, die aus Hüfthosen, Schlagjeans und Folklore-Blusen bestand. Vieles war mit Fransen und Blumenaufnähern verziert. Flower-Power-Frauen trugen geblümte Mini- und Maxikleider mit Sandalen, extralange Röcke und Kaftane. Blumen waren DAS Zeichen für die Hippie-Bewegung, weil sie "Love and Peace" symbolisierten. Sie waren überall zu sehen: gemalt oder gefärbt auf Jeans, Röcken und Kleidern; echt im Haar oder unter Stirnbändern. Die Frisuren waren einfach: lang und in der Mitte gescheitelt hingen sie glatt herunter oder waren geflochten. Männer hatten lange Koteletten und verschiedene Bärte. (Oberlippenbart, Vollbart, usw.) Insgesamt waren Accessoires wie Bandanas, Stirnbänder und Tücher weit verbreitet. Der Schmuck war oft handgemacht und das Peace-Zeichen mit Perlen war ein beliebter Anhänger für Halsketten. Armbänder und Fußketten erfreuten sich ebenso großer Beliebtheit - besonders wenn sie Geräusche machten (z.B. durch kleine Glöckchen). Ihr Ideal war neben der Freiheit auch "Back to Nature", weshalb vieles von ihrer Kleidung aus natürlichen Fasern (Baumwolle, Hanf) hergestellt war. Sie färbten ihre Kleidung auch selbst, wodurch sich die Batik-Technik stark verbreitete.

Die Hippie-Bewegung hatte ihren Höhepunkt 1969 beim Woodstock-Festival, wo 500.000 Menschen erschienen, um sich Künstler wie The Who, Jefferson Airplane, Jimmy Hendrix und Janis Joplin anzuschauen. Nachdem ein ähnliches Festival mit dem inoffiziellen Namen "Woodstock West" stattfand, auf dem die Hell's Angels - für die Security zuständig -, einen 18-jährigen Besucher während des Rolling-Stones-Konzerts töteten, und kurze Zeit später auch die Manson-Morde die Bevölkerung erschütterten, wurde der Flower-Power-Zeit ein abruptes Ende gesetzt. Was aber nicht heißt, dass auch der Style ein Ende gefunden hätte. Denn dieser erreichte in den frühen Siebzigern den Mainstream, der dann aber schnell nicht mehr interessiert war und sich für die Gegenbewegung des Punk interessierten. Außerdem erlebten die Mods, Skinheads und Teddy Boys ein Revival. Neue Subkulturen wie die Goths entstanden. Um diese Ära - die Seventies - geht es dann beim nächsten Mal.
Weiter lesen...
Das Ende der Mods, der Anfang einer Uniform.
Mittlerweile sind wir in den späten 60ern angekommen und anknüpfend an die Bewegung der Rocker widme ich mich heute einer Mode, die vielleicht nicht als solche begriffen wurde bzw. fast vergessen ist.
Zwischen 1968 und 1972 wurde zum ersten Mal die Skinhead-Bewegung in Großbritannien in den Medien thematisiert. Diese resultierte eigentlich aus der Mod-Fashion der frühen Sechziger Jahre. Der Stil war elegant (Anleihen fanden sich in der amerikanischen Ivy League-Mode) und änderte sich im Gegensatz zu dem der Mods nicht - wurde also fast zur Uniform. Die kurzen Haare galten als Statement, denn die Masse wollte ja eigentlich hippiegemäß lange Haare haben. Der ursprüngliche Skinhead hatte keine Glatze, sondern nur einen sehr kurzen Schnitt; wahrscheinlich inspiriert zum einen von den Bürstenhaarschnitten des Militärs, zum anderen von den College-Boys, deren Frisuren auch den Mods gefielen. Sie waren also das genaue Gegenteil zum Hippie.
Im Jahr 1968 sahen Skinheads so aus: kurze Haare, Ben Sherman-Hemd oder Fred Perry-Poloshirt, Jeans und glänzende Army-Boots. Manchmal wurden auch Anzüge im Stil der Mods getragen, teilweise auch eine Strickjacke statt Jackett. Ihr bevorzugtes Muster waren Karos in vielen Variationen. Sie trugen auch gern Crombie-Mäntel, die elegant und teuer waren (auch die Beatles und Gangster wie die Krays-Zwillinge zeigten sich in diesen Mänteln).

Skinheads unterschieden sich nicht nur im Style von Mods und Hippies, sie hörten auch andere Musik: z.B. westindianischen Reggae. Damals, in den späten Sechzigern/frühen Siebzigern war Reggae noch Underground und wurde fast gar nicht im Radio gespielt. Die Skinheads aber mochten die Beats und konnten sich mit den Leuten identifizieren: es handelte sich ja auch um eine unterdrückte Minderheit. Eine relativ bekannte, frühere Skinhead-Band (die auch in dem Film "Velvet Goldmine" aufgegriffen wird), ist Slade. Aber sie bekamen kaum Gigs und entschlossen sich, doch lieber den Glam-Look zu übernehmen.
George Melly, ein englischer Intellektueller und Jazz-Sänger, nannte die Skinheads "agro boys" und vertrat die Ansicht, dass sie Arbeiterjungs waren, die einen Stil trugen, der ihre begrenzte Zukunft anzeigte. Sie nahmen (Hilfs-)Jobs an, die keine Aufstiegsmöglichkeiten boten und schlecht bezahlt waren (sogenannte "Dead-end jobs"). Wie es auch schon bei den Mods und Teds der Fall gewesen war, gab es ihrerseits gewalttätige Übergriffe. In den frühen Siebzigern wurden oft die Skinheads mit (Fußball-)Hooliganismus assoziiert. Und trotz ihrer Wertschätzung für Reggae, waren sie in rassistische Gewalt, kleinkriminelle sowie vandalistische Delikte involviert. In diesen Jahren, also 1970 und 1971, entstand der "traditionelle" Skinhead, wie man ihn heute auffasst: Doc Martens und hochgekrempelte Jeans. Der Look von 1968/69 schaffte es also nicht in die Siebziger und hatte nur ein Revival Ende 70er bzw. Anfang der 80er Jahre. Die 68er-Skinheads hatten schon zwei Jahre später längere Haare und wurden in den Medien als "Suedeheads" bezeichnet.

Das war aber erst der Anfang, denn die Haare wurden immer länger, die Hosenbeine weiter... Sie sahen also aus wie alle anderen. Und das ist der Look, den ich euch nächstes Mal im Detail vorstelle: der Hippie-Style.
Weiter lesen...
Zwei Bewegungen prallen aufeinander: Rocker vs. Mods.
Anknüpfend an die Bewegung der Mods soll es heute um die gegensätzlichen Rocker gehen. Während die Mods detailversessen waren und in beachtlichem Maß auf ihr Aussehen achteten, liebten Rocker einfach Motorräder, schwarze Jeans und Lederjacken. Marlon Brando war ihr Idol, obwohl der Film ("The Wild One"), auf den sie sich beriefen, schon 1953 erschienen war. Sie hatten ihre Wurzeln in der Teddy Boys-Bewegung und waren eher in den Randgebieten Londons aktiv (die Mods hatten das Zentrum eingenommen). Dort hingen sie gern in Cafés herum, die Jukeboxen hatten, damit sie ihrem Rock'n'Roll fröhnen konnten.
Es wird angenommen, dass die Bezeichnung "Rocker" einerseits aus der Musikrichtung kommt, andererseits aber auch vom Terminus "rocking the machines" abgeleitet wird (womit selbstverständlich ihre Motorräder gemeint sind).
Rocker waren nicht Teil der Sixties Revolution, sie waren eher Außenseiter, weil sie mit ihrem Look eigentlich die Fünfziger verkörperten. Mit den Mods kamen sie nicht zurecht, viele Vorurteile waren beiderseits im Spiel. Wenn sie sich mal trafen, z.B. an Ostern im Jahr 1964, konnte es schon mal zu Gewalttätigkeiten kommen, von denen dann die Boulevardpresse ausgiebig berichtete. Auch in den beiden folgenden Jahren kam es zu Konfrontationen, doch 1967 war das alles schon Schnee von gestern.

Weiter lesen...
Die Mode der Mods.
Ja, wir befinden uns immer noch in den Sechzigern. Ist ja auch eine spannende Zeit - vor allem in London, genauer gesagt in der Carnaby Street. Dort befand sich nämlich das Zentrum der sogenannten Mods. Dieser Stil interessiert mich heute.
Er kam Mitte der 60er Jahre auf. In der Carnaby Street gab es regelmäßige Modenschauen und überall hörte man Musik in dieser kleinen Gasse. Sie kam sowohl aus Boutiquen als auch aus Läden speziell für Männermode. Zu dieser Zeit waren auch Shops gängig, die ein Warenangebot für beide Geschlechter bedienten. Doch nicht nur für Mode war die Carnaby Street bekannt. Hier gab es auch einen Trödelladen, in dem man Möbel aus der Viktorianischen Zeit und Andenken aus der damals modernen Art Nouveau-Ära kaufen konnte. 1967 konnte man dort auch in altmodische Kneipen, Reformkostläden, Spielwarenhandlungen und zur Button Queen gehen, wo es alte Anstecker zu erwerben gab. Die Button Queen gibt es immer noch, und man kann auch immer noch hingehen und Buttons aus den 30ern, 40ern und 50ern erwerben. Hier kann man sich u.a. die Anfahrtsskizze anschauen: http://www.thebuttonqueen.co.uk
In den Sechzigern ein Mod zu sein, hieß, sich für einen Lebensstil zu entscheiden, der Musik, Clubs, Kleidung und Roller implizierte. Man machte natürlich weiterhin seinen 9-to-5-Job, doch nach Feierabend wurde eine andere Platte aufgelegt, um im Musikjargon zu bleiben.
Die Ursprünge der Mod-Szene sind schwierig zu bestimmen. Es wird angenommen, dass erste Grundsteine in den späten Fünfzigern gelegt wurden, als sich kleine Gruppen von Individuen gegen die Beatnik-Szene und den Snobismus der Teddy Boys auflehnten. Sie wählten elegante Anzüge, die an den französischen bzw. italienischen Stil angelehnt waren. Damals hießen sie noch "Modernists", was mit ihrer Leidenschaft für (US-amerikanischen) Modern Jazz zu erklären ist - und natürlich, weil sie insgesamt eine modernere Lebensweise hatten. Sie interessierten sich für französische Filme und schauten sich dabei den Look der Schauspieler ganz besonders an. Was auch sonst, Französisch konnten nur wenige von ihnen. Trotzdem also ein Faible für Frankreich, und das nicht nur beim Film, auch bei Zigaretten und Frisuren. Die englischen Modernisten ließen sich also sowohl von europäischen als auch amerikanischen Trends (wie Button-Down-Hemden und dem College-Boy-Haarschnitt) inspirieren.
Wie gesagt, die Modernists waren eine kleine Gruppe von Individuen - hauptsächlich männlichen Geschlechts -, die gern über Klamotten redete. Sie waren richtiggehend davon besessen, den richtigen Stil zu kennen (und natürlich zu haben). Sie gaben einen großen Prozentsatz ihrer Gehälter für maßgeschneiderte Anzüge, Hemden mit Button-Down-Kragen und individuell angefertigte Schuhe aus. Es war ihnen wichtig, sich von der Masse abzuheben.
Im Allgemeinen kamen die Mods aus der Mittel- bzw. Arbeiterklasse.
Mediale Aufmerksamkeit bekamen sie erstmals im Jahr 1964, als sie mit den Rockern (Kennzeichen: Lederjacken, Rock'n'Roll und Motorräder) aneinander gerieten - also wirklich physisch. Manche von den frühen Mods distanzierten sich von der Gewalt, die ihre "Kollegen" anwendeten, und nannten sich jetzt lieber Stilisten oder Individualisten.
Es ging beim Mod-Sein nun nicht mehr in erster Linie darum, individuell zu sein, sondern darum, Teil einer breiteren Bewegung zu sein - und bis zu einem gewissen Punkt auch mit deren Regeln konform zu sein. An dieser Stelle kamen die Mods nicht mehr so sehr aus der Mittelklasse, sondern waren eigentlich Teenager aus der Arbeiterklasse, die mit 15 schon die Schule verließen und wenig Geld hatten, weshalb sie keinen Sinn darin sahen, etwas auf die hohe Kante zu legen. Sie wollten lieber Spaß haben, bevor es wieder ernst wurde (wofür die Tradition des Heiratens stand).
Während die Modernists vor 1964 noch gern Modern Jazz hörten, war die Lieblingsmusik der Mods nun Rhythm & Blues. Sie mochten zwar die Musik der Rolling Stones, doch die trugen keine schicken Sachen und konnten deshalb nicht als Mods gelten. Auch die Beatles fanden keinen Anklang bei den Mods - wahrscheinlich zu schwiegersohn-brav. Nein, Mods hörten lieber The Kinks, The Who, The Small Faces und The Animals. Pete Townsend von The Who behauptete sogar, er habe die Pop Art in die Mode der Mods eingeführt. Und tatsächlich gab es nun mehr Farbe in der Szene und die Jacke mit dem Union Jack.

Auch weiterhin kleideten sich die Mods in Anzüge. Die Jacken waren jetzt etwas taillierter, hatten einen schmalen Reverskragen, die Hemden einen Button-Down-Kragen; die Hosen waren schmal geschnitten. Auch die Krawatten waren schmal, besonders modisch waren gestrickte. Sie trugen aber auch mal was Lässiges, z.B. farbige Poloshirts von Fred Perry, kombiniert mit Jeans (auch Schlagjeans) und sogar Sportjacken bzw. Turnschuhe. Besonders beliebt war die sogenannte Harrington-Jacke (die bereits in roter Farbe von James Dean in den 50ern getragen worden war).

Um ihre Anzüge bei den Fahrten mit der Vespa oder Lambretta zu schützen, trugen Mods sicherheitshalber einen Ex-Armeeparka.
Es gab zwar nur wenige weibliche Mods, doch diese hatten kurze Haare mit kantigen, geometrischen Linien. Sie kleideten sich androgyn. Beispielsweise sah man sie in Hosen und Hemden - wie die männlichen Mods.
Bei den Mods musste man ab 1964 mehrere Gruppen unterscheiden. Die "Original Mods" (die jetzt "Stilisten" oder "Individualisten" hießen) - sie wurden "Smooth Mods" genannt. Dann gab es die "Scooter Boys" mit ihren schicken Hosen und Pullover unter den Ex-Armee-Parkas. Und die dritte Gruppe bildeten die "Hard Mods". Sie trugen Poloshirts, Jeans mit Hosenträgern, schwere Boots und einen Bürstenhaarschnitt. Sie sind die Vorreiter der Skinhead-Mode, die sich Ende der Sechziger Jahre aus diesem Ivy-Leage-Stil entwickeln sollte.
Kehren wir noch mal kurz in die Carnaby Street zurück. In den Sechzigern der Place-to-be, doch Anfang der Siebziger schon altmodisch und nicht mehr "what it used to be", wie The Jam sangen. Heute ist die Straße ein Ort für Touristen, aber man kann dort also immer noch Mod-Fashion finden. Wenn man will.
Weiter lesen...
Der Minirock.
Letztes Mal ging es um Stilikonen - und eine sehr wichtige fehlte: Mary Quant. Sie soll jedoch einen eigenen Eintrag bekommen, sie wird schließlich als die Erfinderin des Minirocks bezeichnet!
Es ist nicht bekannt, wer den Minirock wirklich erfunden hat, denn Mary Quant hat Designs von Courrèges als Inspiration genommen, die Röcke kürzer zu entwerfen. Auch John Bates wird genannt, wenn es um die Erfindung des Minirocks geht, denn er war einer der einflussreichsten Modedesigner in den Sechziger Jahren und entwarf die kürzesten Minikleider und bauchfreie Oberteile. Es wird gesagt, seine Models hätten nur sehr wenig Unterwäsche gebraucht, weil er eine BH-lose Silhouette bevorzugte. Dennoch war sie diejenige, die dieses neue Kleidungsstück populär gemacht hat. Die Röcke sprachen ein jugendliches Publikum an, weil es etwas Rebellisches hatte, dieses "etwas breiteren Gürtel" in Anwesenheit seiner Eltern oder anderer Erwachsener zu tragen. Dieser Stil wurde übrigens Chelsea-Look genannt. Die Form, die er hatte, war schlicht mit klaren Linien und eben jung. Meist wurde er aus Baumwolle und der neuen Kunstfaser PVC hergestellt.

Mary Quant (geb. 1934 in Wales) war eine wichtige Person für die Bewegung der Mods. Für ihre Mode waren die Sixties genau die Richtige Zeit: die Jugend wurde als Käufergruppe immer wichtiger. Sie war unabhängig und hatte ein geregeltes Einkommen. Ideale Voraussetzungen also, sich einen eigenen Stil zuzulegen oder auch seine Idole (Popmusiker, Sportler, Fernsehstars und Models) zu kopieren. Und London nahm ihre Designs begeistert auf. So gab es dann auch schnell den sogenannten London-Look: Sweatkleider mit Kragen aus Plastik; ballonförmige Kleider sowie Knickerbocker und Strümpfe in allen Mustern und Farben. Beliebt waren auch die Regencapes, enge Pullis mit Schachbrettmuster oder Streifen und Schnürstiefel in weiß. Der Name Mary Quant wurde zum Synonym für Modetrends und bekannt für ihre Verknüpfung von Pop Art mit Mode.

Auch André Courrèges machte den Minirock noch beliebter. Er hatte ihn ja (angeblich) etwas früher entworfen als Quant und integrierte ihn in seinen Mod-Look (1965). Seine Miniröcke waren nicht ganz so enganliegend und wurden mit weißen Stiefeln kombiniert. Er verwendete ihn auch als Laufstegmode und gab ihm so einen eleganten Touch. Yves Saint Laurent sprang ebenfalls auf den Zug auf und zeigte in seiner Herbst/Winter Kollektion im gleichen Jahr das superkurze Mondrian-Kleid.

Eine große Rolle für den Hype um den Minirock spielte das Topmodel Jean Shrimpton. Sie trug im Jahr 1965 am ersten Tag des jährlichen Melbourne Cup Carnival einen - und löste sowohl einen Skandal als auch Begeisterung damit aus.
Der Minirock heißt angeblich so, weil Quants Lieblingsauto ein Mini war.
Weiter lesen...
Drei Stilikonen der Sechziger Jahre.
Wie beim letzten Mal schon angedeutet, soll es heute um Audrey Hepburn & Co. gehen - also weibliche Stilikonen der Sechziger Jahre. Wie das bei Stilikonen so ist, tragen sie meist schlichte Kleidung und sind trotzdem extrem glamourös. Dieses Phänomen untersuche ich heute einmal näher.
Audrey Hepburn ist nicht nur eine Modeikone der Sixties, sondern wird insgesamt für das 20. Jahrhundert mit diesem Titel belegt. Das steht sogar in Stein gemeißelt: "International Best Dressed" in der Hall of Fame. Ihr Stil resultierte teilweise aus den Begegnungen mit dem Modedesigner Hubert de Givenchy, der ausschließlich Haute Couture entwarf und für ihre Kleider in u.a. "Sabrina" (1954) und "Paris When It Sizzles" (1964) verantwortlich ist.

Sie arbeiteten über 35 Jahre lang zusammen und laut Givenchy änderten sich Hepburns Maße um keinen einzigen Zentimeter. Sie lief für ihn auf Modenschauen und er kreierte ein Parfum namens L'Interdit für sie.
Aber nicht nur Givenchy war von ihr begeistert. Auch das Publikum liebte ihre Filme und kaufte nach dem Start von "Breakfast at Tiffany's" Ray-Ban Sonnenbrillen en masse. Doch nicht nur das: im Dezember 2006 wurde ihr "Kleines Schwarzes" versteigert - welches natürlich von Givenchy entworfen worden war - und brachte dem Auktionshaus Christie's gute 467000 Pfund ein. Dies gilt als der höchste Preis, der jemals für ein Kleid aus einem Film gezahlt wurde. Allerdings trug sie das Kleid nicht im Film... Die zwei, in denen sie zu sehen ist, sind archiviert bzw. in Museum of Costume in Madrid ausgestellt. Macht nichts, das Geld kam Charity-Aktionen zugute und ist sicher gut investiert.
Viele Modeexperten glauben, dass Hepburn zur Stilikone wurde, weil sie einfach einen Look hatte, der zu ihr passte: klare Linien, schlichte Farben und schnörkellose Accessoires. Obwohl sie so bekannt für ihr glamouröses Äußeres war, kleidete sie sich angeblich am liebsten lässig und bequem, achtete kaum auf Mode. Das sah so aus:

Man könnte meinen, was Audrey Hepburn auch immer getragen hat, es sah einfach trotzdem schick und stylisch aus.
Wenn wir hier über Stilikonen reden, darf natürlich eine Frau ganz bestimmt nicht fehlen: Jacqueline Kennedy Onassis, besser bekannt als Jackie O. und im Folgenden auch so bezeichnet. Besonders berühmt ist sie - neben der Tatsache, dass sie von 1961 bis 1963 die First Lady war - natürlich für ihr rosafarbenes Chanel-Kostüm, das zum Symbol für die Ermordung ihres Mannes John F. Kennedy wurde. Während dieser zwei Jahre als First Lady avancierte sie zu einer Modeikone weltweit und ließ sich gern von Oleg Cassini, einem französischstämmigen, amerikanischen Modeschöpfer einkleiden, aber auch Chanel, Dior und (wieder) Givenchy gehörten zu ihren bevorzugten Designern. Sie gab unheimlich viel Geld für Mode aus, angeblich die Hälfte mehr, als das jährliche Gehalt ihres Mannes betrug. Der Jackie-Look, wie er schnell genannt wurde, bestand aus folgenden Kleidungsstücken: schlichte Kostüme mit einem knielangen Rock, 3/4-Ärmel an Blazern mit Reverskragen, ärmellose und ausgestellte Kleider, lange Handschuhe, flache Pumps und Pillbox-Hüte.

Dies ist auch ein Foto von Jacqueline Kennedy Onassis:

Ganz anders. Das war nach ihrer Zeit im Weißen Haus und sie wurde nun oft in bunten Gypsy-Röcken, Schlaghosen, Blazern mit breitem Kragen und riesigen runden Sonnenbrillen gesehen. Die Farben waren jetzt nicht mehr dezent und pastellig, sondern bunt und knallig. Auch Jeans stellten keinen Tabubruch mehr dar. Natürlich wurde das ein Trend: weiße Jeans, schwarzer Rolli, kein Gürtel.
Eine Lady, die als Trendsetterin und Fashion Ikone galt, haben wir noch. Twiggy! Bekannt auch als Model, Sängerin und Schauspielerin aus England, bürgerlich: Lesley Lawson, geb. Hornby. Sie war eigentlich nicht so anders als Jackie O. und Audrey Hepburn: sehr schlank, mit großen Augen und kurzem Haar. Modemäßig unterschied sie sich allerdings stark von den beiden anderen:

Schnell war sie in allen Modemagazinen und brachte 1967 sogar ihre eigene Modelinie namens "Twiggy Dresses" heraus. Und was genau machte den Twiggy-Stil aus? Niedliche Kleider in A-Linie mit Kragen und Schleifen; Kleider im Military-Look; Kostüme. Aber auch schlichte Anzüge mit Stehkragen und Jumpsuits im Space-Age-Stil waren - für beide Geschlechter - ein Trend, den sie verkörperte.
Twiggy hat heute einen Modeblog bei HSN und interessiert sich nach wie vor für Mode. Dafür gibt es sogar einen Begriff: der "Twiggy effect". Man verwendet ihn, wenn sich 60- und 70-jährige Frauen noch immer modisch kleiden.
Weiter lesen...
Glamour pur: Die Space Fashion der 60s.
Nachdem es beim letzten Mal eine Einführung zum Jahrzehnt der Sixties gab, steigen wir heute schon tiefer ein und beschäftigen uns mit der Space-Mode. Das passierte ziemlich am Ende der Sechziger Jahre, weil die Amerikaner 1969 auf dem Mond landeten und ein starkes Interesse an Welten außerhalb der Erde aufkam. Kein Wunder, dass eine neue Mode hermusste. Aber auch schon Anfang der 60er, als die ersten Amerikaner im Weltraum unterwegs waren, gab es diese Space-Einflüsse in der Mode. 1964 konnte der Modedesigner Andre Courreges mit dem sogenannten "Space-Age"-Look Erfolge verbuchen und es dauerte nicht lang, bis sich Nachahmer fanden. Hier wäre Paco Rabanne zu nennen, der zwei Jahre später das futuristische Thema weiter interpretierte. Zur Herstellung seiner Mode verwendete er Plastik, Metall und sogar Kettenhemden. Also schon sehr extravagant, um nicht zu sagen extrem. Massenkompatibel wurden diese Sachen dann in Form von Gliederkettengürteln, Halsketten aus Schwermetallen und Ohrringen, die wie Scheiben aussahen. Auch der Designer Pierre Cardin beteiligte sich an der Produktion für den Space-Age-Look und entwarf Etuikleider und helmähnliche Hüte.

Er war es auch, von dem die Catsuits und die Bodystockings stammten. Diese kamen 1967 auf den Markt und sind eigentlich nichts anderes als eine langärmlige Nylon-Strumpfhose. Von den Catsuits gab es unterschiedliche Varianten; hier sieht man einen ärmellosen mit tiefem V-Ausschnitt.

Weitere Kleidungsstücke für Frauen waren weiße Minikleider aus Leder und lange Space-Boots sowie coole Perücken.
Ab 1968 - spätestens 1969 - wurde dann die Space Fashion so richtig populär, nicht zuletzt aufgrund des Films Barbarella, in dem Jane Fonda (in einem Spacesuit mit oberschenkelhohen Stiefeln) die Hauptrolle spielte. Er basiert vor allem auf den Comics des Franzosen Jean-Claude Forrest und wird als Science Fiction-Film einkategorisiert. Will man allerdings einen Eindruck davon bekommen, wie die alltagstaugliche Space-Mode aussah, sollte man sich die originale Star Trek-Serie mit Captain Kirk und Co. anschauen. Bis auf das eingestickte Star Trek-Symbol wurde diese Kleidung tatsächlich von Fans der Space-Fashion getragen.
Die Farben waren natürlich auch spacig. Silber in Kombination mit kräftigen Farben und Drucken, die aus der Pop und Op-Art kamen.

Auch bei den Stoffen gab es Innovationen wie beispielsweise das glänzende, nass-wirkende PVC. Aber auch die pflegeleichten chemischen Fasern wie Polyacryl und Polyester wurden verwendet.
Insgesamt also nichts für graue Mäuschen, sondern avantgardistisch-futuristisch. Natürlich gab es in der Sechziger Jahren auch Mode für weniger exzentrische Menschen. Diese werde ich euch im nächsten Eintrag vorstellen. Falls das jetzt allzu langweilig klang, sage ich nur: Audrey Hepburn!
Weiter lesen...
Die 60er Jahre: Eine Einführung.
Wir sind in den Sechzigern angekommen! In dieser Dekade gab es viel Mode, tragische Ereignisse und einen wirtschaftlichen Boom.
Wie in den letzten beiden Posts angedeutet, gewannen junge Leute ab Ende der 50er Jahre einen großen Einfluss bei der Schaffung von Modetrends (was bis dahin der Oberschicht vorbehalten war). In den Sixties erhöhte sich der Einfluss sogar noch und prallte mit den Ansichten der Elterngeneration zusammen.
In diesem ersten Teil werde ich ein paar allgemeine Fakten (die sich natürlich auf Mode beziehen) nennen, in den nächsten Einträgen werde ich dann einige Trends und Stilikonen näher beleuchten.
Der Anfang der Sechziger Jahre war von der Eleganz Jackie Kennedys geprägt. Sie machte den Pillbox-Hut und Kostüme in Pastelltönen populär. Die Blazer, die sie trug, waren kurz und kastenförmig geschnitten und mit großen Knöpfen verziert. Des Weiteren waren schlichte Kleider in geometrischer Form im Trend und für abendliche Anlässe Kleider mit mehrfach gefüttertem, schwingendem Rock und tiefem Dekolleté. Dazu trug man Stilettos. Männer wurden "mutiger" und kleideten sich in hellen und kräftigen Farben. Auf einmal gab es Rüschen an den Hemden, breite Krawatten, kragenlose Sakkos, Hosenträger und Lederstiefel. Die Schlipse waren bunt bedruckt, mit Streifen oder anderen Mustern.
1964 wurde dann etwas Revolutionäres designt: der Minirock.
Erfunden wurde er von Mary Quant und der Schnitt war so erfolgreich, dass er sich in der gesamten westlichen Welt ausbreitete. Analog zum Minirock gab es auch das Minikleid, das in A-Linie geschnitten war und auch ärmellos sein konnte. Im gleichen Jahr kreierte der Franzose Andre Courreges den Space Look, dessen Merkmale in schimmernden Stoffen wie PVC und fluoreszierenden Farben bestand. Die Hosenanzüge, kastenförmigen Kleider und weißen Boots waren teilweise mit funkelnden Pailletten verziert. Dazu trug man die obligatorische Fliegerbrille.
Richtig weit verbreitet (zumindest in Großbritannien) waren aber die sogenannten Mods, eine Kurzform von Modernist. Das war was für junge Leute und kann gleichzeitig als Pool für kreativen Output gesehen werden. So entwarfen sie eigene Fernsehshows und Magazine, die sich direkt mit ihrer (Sub-) Kultur befassten. Auf diese Weise konnten aus diesem Milieu auch viele Rock-Bands hervortreten, wie z.B. The Small Faces,The Who und The Kinks. Auch Frauen waren bei den Mods akzeptiert und kleideten/frisierten sich ähnlich wie ihre männlichen Gruppenmitglieder. Die Mods kamen meist aus der Arbeiterschicht und hatten 9-to-5-Jobs, die ein bisschen Raum ließen für Musik, Partys und Klamotten. Sie waren das komplette Gegenteil (musikalisch und bezüglich ihres Lebensstils) zu den Rockern, die den Rock'n'Roll der 50er Jahre favorisierten und im Greaser-Look mit Lederjacken und Pomade im Haar auf ihren Motorrädern herumfuhren. Mods imitierten eher den High-Fashion-Style der französischen und italienischen Modedesigner und trugen maßgeschneiderte Anzüge.
Im gleichen Jahr waren auch Schlaghosen eine neue Option zu den Caprihosen der frühen Sechziger. Man trug sie in Kombination mit Chiffonblusen, Tops oder Poloshirts. Was es nicht mehr gab: Nahtstrumpfhosen, Korsetts und wadenlange Röcke. Populär waren hingegen - als Alltagskleidung - kurze Regenmäntel, gefärbte Webpelze und farbenfrohe Mäntel mit schwingendem Schnitt. 1966 war die lässig-schicke Nehru-Jacke mit Stehkragen modern und wurde sowohl von Männern als auch Frauen getragen. Diese Jacke waren zum ersten Mal konfektioniert und kaschierend. Es gab keine Gürtelschlaufen für die weiblichen Modelle und der Schnitt wurde immer kürzer. 1967 kam Reggae in die Jazz-Musik der Mods und eine Rückbesinnung auf die Arbeiterklasse, aus der die Mods ja kamen. Dies führte zu einer neuen Subkultur: den Skinheads.
Die späteren Sixties waren dann geprägt von bunten Stirnbändern, Schlaghosen, Batik-Shirts und eben diesem androgynen Hippie-Look, in dem die Geschlechter sich auf die gleiche Art kleideten und auch mal ohne Socken und Schuhe (also barfuß) bzw. in Sandalen unterwegs waren. In waren auch Röcke im Gipsy-Stil, indianische, psychedelische und Paisley-Prints sowie Tuniken über Hosenröcken. Die Blusen für Frauen hatten oft transparente Ärmel und der Woodstock-Look kam ab 1969 auf, mit Ponchos, Mokkassins, Stoffen mit Polka Dots, Puffärmel und Love & Peace-Accessoires.
Außer dem Hippie-Style gabs auch noch andere Modeartikel wie die Röhrenhose, für die Audrey Hepburn bekannt war oder auch die gerade geschnittenen Vorgänger des Minikleides, die sich 1957 aus dem Hängerchen entwickelt hatten - und noch immer unterhalb des Knies endeten. Auch plissierte Röcke waren weiterhin modern und Bleistiftröcke wurden mit Wollpullovern oder Strickjacken getragen. Auch die sogenannten (ärmellosen) Jumper- bzw Pinafore-Kleider wurden gern getragen - egal ob mit V-, Rundhals- oder Kastenausschnitt -, man kombinierte sie einfach mit Poloshirts oder Schluppenblusen. Eine Variante des Pinafores war auch das sogenannte Mantelkleid, das manchmal mit einem halben Gürtel auf der Rückseite getragen wurde.
Der Minirock dominierte eindeutig die Frauenmode, doch sollte es mal ein bisschen praktischer sein, waren klassische Stoffhosen kombiniert mit einer Tunika, einem Rippshirt oder einem passenden Blazer eine gern genommene Alternative.
Die Mode der Swinging Sixties ist ebenso vielseitig und reichhaltig wie ihre Einflüsse. Ereignisse wie der Vietnamkrieg, der neue Musik- und (Frisuren-)stil der Beatles, die synthetischen Fasern, aber auch die erleichterten Reisebedingungen sowie Filme, bekannte Persönlichkeiten wie Jackie Kennedy und Pop Art brachten viel Inspiration für Modedesigner/innen. In den nächsten Einträgen tauchen wir dort tiefer ein und ich stelle euch auch die einzelnen Modestile und -ikonen im Detail vor.
Weiter lesen...
Die Fifties: Petticoats und Bleistiftröcke.
Wie angekündigt sind wir beim zweiten Teil der 50er Jahre angelangt. Letztes Mal habe ich von der Mode der Teenager und Teddy Boys erzählt; heute soll es um die Erwachsenen gehen. Und wir werfen natürlich auch einen Blick auf die wichtigsten Designer dieser Epoche.
Die signifikanteste "Erfindung" in der 50er-Mode war wohl der Petticoat. Der bauschige Unterrock war aus Nylonfasern gefertigt und mit Spitzen und Rüschen verziert. Zudem lagen meist mehrere Schichten Tüll übereinander, so dass der Rock schön schwingend fiel.

Der Petticoat war aber auch in der Fünfzigern eigentlich nicht neu. Es gibt ihn nämlich schon seit 1585, wo er auch in steifer Ausführung getragen wurde. Er sollte die Taille schmal erscheinen lassen. In Königs- und Adelshäusern waren Petticoats eine Standardausstattung der Frauen. Für Nicht-Adlige gab es spätestens seit dem 19. Jahrhundert Petticoats, die weniger verziert waren, aber auch für einen möglichst bauschigen Rock sorgten. Abwandlungen waren auch Anfang des 20. Jahrhunderts modern - allerdings dominierte doch die etwas schmalere Rockform. Sein Ende fand er mit dem Ausbruch des II. Weltkriegs, als alles rationiert wurde. Kurze Zeit später, 1947, kreierte Christian Dior den sogenannten "New Look" und brachte die gerüschten Unterröcke wieder in Mode. Dieser neue Look sollte für zehn Jahre den Modemarkt dominieren. Auch Edith Head,eine der bekanntesten Costume Designerinnen rund um den Globus, kleidete Doris Day und Grace Kelly für die Hitchcock-Filme der 50er Jahre in Petticoats. Dior war in dieser Zeit einer der einflussreichsten Designer. Er entwarf u.a. A-linienförmige Zweiteiler und den Bleistiftrock mit tailliertem Blazer.

In den Fünfziger Jahren hatte Dior auch noch einen gewissen Einfluss in der Haute Couture. Hier lernte er auch Yves Saint Laurent an, der nach Diors Tod 1957 dessen Platz einnahm. Im ersten Jahr designte er das Trapezkleid, dann um 1960 eine neue Kollektion für Biker und Beatnicks, wofür er Materialien wie "Handschuhleder", Krokodilsleder, Nerze und hochwertige Wolle verwendete. Seine Designs kamen jedoch nicht so gut bei denen an, mit denen er arbeitete, was wohl auch ein Grund dafür ist, dass die Käufer sich nicht angesprochen fühlten.
In den Fifties begegnet uns auch eine "alte" Bekannte wieder: Coco Chanel, die die Goldenen Zwanziger revolutionierte. Sie hielt nicht viel vom schwingenden Dior-Rock, sondern stellte klassische, kastenförmige Chanel-Blazer und schmale Tweed-Röcke mit Textur und Besatz her.

Dieser Stil war natürlich leicht zu kopieren, weshalb auch große Modeketten bald Kostüme in Chanel-Manier anboten.
Aber nicht nur Designer/innen revolutionierten die Mode. Auch die neuen, chemisch hergestellten Stoffe Polyester, Polyamid und Polyacryl wurden verarbeitet und waren beliebt, weil sie pflegeleicht waren (minimales bzw. kein bügeln, schnell zu trocknen)
Doch noch eine Ergänzung zur Teenager-Mode. 1958 kamen auch die sogenannten Baby Dolls mit ihrem Empire-Schnitt in Mode und waren besonders beliebt bei Teenagern, weil sie so niedlich (kindlich) aussahen.
Die Fünziger Jahre bieten offenbar genug Trends für die Retro-Mode der Nullerjahre. Im nächsten Eintrag widme ich mich dann den 60er Jahren - eine wahre Fundgrube für Designer der darauffolgenden Epochen...
Weiter lesen...
Die 50er Jahre: Teenagers, Greasers und Teddy Boys.
So, die Kriegsjahre sind vorbei und wir sind bereits in der Mitte des 20. Jahrhunderts angelangt, wo sich eines schon mal feststellen lässt: es tut sich etwas. Vor allem dies: eine neue Käufergruppe - die Teenagers - entsteht, was den Grundstein für eine konsumorientierte Gesellschaft legte.
Die Teenagers also. Diesen Begriff gab es bis dato noch nicht im allgemeinen Sprachgebrauch, er entstand erst in den 50ern durch eine große Bandbreite an Einflüssen in Rockmusik, Film, Magazinen etc. Plötzlich gab es viele Sachen für junge Leute zu kaufen - und sie kauften sie. Sie hatten ja auch ihre eigene Kultur (Mode, Cafés, Musik und später Motorroller). Die Eltern waren nicht länger die Trendsetter; die Jugend dominierte den Stil der Frisuren, Kleidung und sogar Auslandsreisen. Kein Wunder, dass es zu einem Bruch der beiden Generationen kam. Die Teenager galten als rebellisch, doch war das natürlich nur der Vorbote für spätere anarchische Bewegungen und die Anti-Mode.
Übrigens wurde der Teenager-Trend natürlich in den USA gesetzt und schwappte schnell nach Europa über. Die jungen Leute orientierten sich vor allem an Rock'n'Roll-Idolen wie Jerry Lee Lewis und vor allem Elvis Presley sowie an Filmstars wie Marlon Brando und James Dean. Brando war es auch, der Jeans und Lederjacke populär machte, als er diese Kombination im Film "The Wild One" von 1953 trug. Die Jungen, die diesen Style trugen und z.T. mit Motorrädern unterwegs waren, wurden "Greasers" genannt. Jugendliche Mädchen trugen natürlich in den 50ern noch Röcke. Diese konnten kreisrund sein, mit großen Applikationen oder hübsch plissiert. Die Plisseeröcke waren aus einem neuen Stoff namens Terylen, einer Polyesterfaser. Die Röcke waren gefüttert, u.a. mit dem berühmten Petticoat. Kombiniert wurden sie mit U-Ausschnitt-Blusen oder Poloshirts, als Accessoire diente ein in Cowboymanier geknotetes Tuch. In abgeschwächter Form wurde diese Mode auch in Großbritannien übernommen.
Der gepflegte, ordentliche Look, den es neben den Greasern auch gab, wurde Preppy genannt (engl. von Preparatory school, d.h., Schüler einer weiterführenden Schule). Diesem Stil haftet ein bisschen was von Snobismus an, weil er elitär und konservativ ist, und zu einer gehobeneren Gesellschaftsschicht gehört. Eine Moderichtung, die sich (in den 60er Jahren) daraus entwickelte, ist der sogenannte Ivy-Look.
Ein seit 1949 bekannter Kleidungsstil, der mit "Edwardian Look" bezeichnet wird, war ebenfalls signifikant für die Teenager der 50er Jahre. Es handelte sich hierbei um eher elegante Kleidung (also Anzüge) mit Samtbesatz und spezifischen Details. Anfang der Fünziger Jahre wurde dieser Trend also von jungen Leuten in England aufgegriffen, die in Cafés und auf Straßen herumlungerten, einer Subkultur. Die "Teds" (von Edward, dessen Koseform Teddy ist) betrachteten die Anzüge als eine Art Uniform, die eine Gruppenidentität erschuf. Der nun sogenannte Teddy Boy-Look war dazu da, den Alltagslook zu durchbrechen. Der typische Anzug sah folgendermaßen aus: knielanges Jackett (engl. drapes) mit breitem Reverskragen, dazu schmal geschnittene Hosen (engl. drainpipe trousers) und Creepers (Schule mit hoher Crêpe-Sohle). Das Haar wurde in der "Tony-Curtis-Form" (oder dt. Elvis-Tolle) arrangiert.

Die Bewegung fand großen Anklang in Europa und den USA und bereitete den Grundstein für die Biker-Bewegung in den 60er Jahren.
Im nächsten Eintrag wird es dann auch noch mal um die Fünziger gehen, denn auch bei den Erwachsenen gab es Trends, die von den Designern Dior, Yves St. Laurent und Chanel gesetzt wurden.
Weiter lesen...

